Around Alone: 72 Knoten Wind!

20. Oktober 2002 - Es war möglicherweise härter als das, was die Skipper der Solo-Weltregatta demnächst im Südlichen Ozean erleben werden: Mit ruhiger Stimme, teils übertönt vom Krachen der Brecher an der Bordwand, schilderte die 27-jährige Engländerin Emma Richards am Samstagnachmittag über Funk "es ist ziemlich brutal hier draussen. .... ich sah auf dem Windanzeiger ständige 72 Knoten ...." Das ist fast Hurrican-Stärke. Mildes Understatement der Skipperin. Auch Bernard Stamm berichtete von 71 Knoten Wind und "gigantischen Seen". Die Skipper der drei führende 18,50 Meter Yachten beim Around Alone segeln durch ein höllisches Orkantief ...

Start in England zur zweiten Etappe – vorn Stamm, dahinter Dubois und Pindar (Foto © Marine pics/ riva com / bernard-stamm.com)

(Das Tief mit Kerndruck 966 (!) Millibar zog Samstagnacht Richtung Irland und wird mit seinen südlichen Ausläufern Montag und Dienstag Deutschland streifen und am Ijsselmeer und in Norddeutschland für so ziemlich heftigen Wind sorgen).

Am Ende einer ihrer E-Mails meinte die junge Britin intypisch britischemHumor und Understatement: "Für meine und alle sich sorgenden Mütter: Ich trage einen Sicherheitsgurt.

Die vier Yachten, die noch im Rennen sind, stehen jetzt etwa auf der Breite von Gibraltar in einer sehr hohen, rauhen See. Während die Pindar von den rieisgen Wellenkämmen in die Täler krachte, meinte Emma Richards über Funk, ihre Arme würden manchmal fast aus den Schultern gedreht, wenn sie sich am Navi-Tisch festhalte. Um dann gleich zu fragen, an welcher Position sie liege ... an zweiter knapp hinter dem Schweizer Stamm auf "Amor Lux" und vor Thierry Dubois auf "Solidaires" und vor "Hexagon". Nur diese Vier segeln noch vorne – allerdings hat auch Simone Bianchetti auf "Tiscali" nach der Reparatur seiner drei Selbstssteuer-Anlagen in Brest das Rennen wieder aufgenommen – er ging durch die stürmische Biskaya!

 

Nur mit Sturmfock

Stamm und Emma Richards segelten anfangs mit dreifach gerefftem Groß, was auf den Open 60s bedeutet, kaum noch Groß oben zu haben. Dann gingen alle den Höhepunkt des Sturms nur unter der kleinen Sturmfock an. Was immer noch für 9 Knoten Speed sorgte. Gestern abend allerdings setzte Richards wieder das eingereffte Groß, wie die anderen – weil der Sturm im Süden des Tiefs ja auf 40 Knoten nachgelassen hatte ...

 

Immer dieses Kreischen

Wer einmal das Kreischen und dröhenen von 12 Windstärken im Ohr hatte, weiß, was er meinte: Der führende Bernard Stamm auf "Amor Lux" meldete aus dem Orkan: "Immer dieses Geräusch des Winds im Ohr, ohne Pause – das kann einen schön mürrisch machen . .." Trotz Orkan hat er in 24 Stunden 266 Meilen bis heute Morgen zurückgelegt – immer in Orkan und gigantischen Wellen ...

Allerdings nimmt der Wind noch einmal zu, bevor die drei Führenden Yachten gegen Sonntagnachmittag aus dem allergröbsten heraus sind. Dann erst können sie mehr nach West abdrehen. Vor ihnen liegen noch rund 6000 bis 6300 Seemeilen bis Kapstadt. Die Klasse II (bis 50 Fuss), deren Yachten alle in Spanien im Hafen den Orkan abwetterten, haben wie der Italiener Bianchetti auf Tiscali noch 6800 Seemeilen vor sich.

 

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Around Alone – Die Skipper

das Around Alone

Die website der Weltregatta:

 

www.aroundalone.com

 

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