BSH und DWD erinnern an Georg von Neumayer08. Juni 2009 - Wer weiß das noch? Bereits im 19. Jahrhundert war der Hamburger Stintfang Ausgangspunkt weltweiter Meeresforschung und Meteorologie. Daran erinnern die beiden auch heute oberhalb der Landungsbrücken ansässigen Nachfolgeinstitutionen der Deutschen Seewarte, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und das Seewetteramt des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Mit einer kleinen aber bemerkenswerten Ausstellung würdigen beide Georg von Neumayer, der als erster Direktor der Deutschen Seewarte auch international als der Wegbereiter praxisbezogener Meeresforschung gilt. Am 24. Mai jährt sich Neumayers Todestag zum 100. mal.

Hamburg, nahe der Landungsbrücken, im Winter (Foto © Jo Achim Geschke)

Ziel des Visionärs Georg von Neumayer war die Erforschung der Naturverhältnisse der Meere, um die Schifffahrt zu fördern und ihre Sicherheit zu erhöhen, erklärten BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz und Reinhard Zöllner, Niederlassungsleiter des DWD in Hamburg. Mit seinen nautisch-meteorologischen und hydrographischen Arbeiten ebnete er bereits Mitte des 19. Jahrhunderts den Weg u. a. für erste Segelanweisungen, Atlanten, Wetterjournale und Wetterkarten, die von der Deutschen Seewarte herausgegeben wurden. Dies war so zukunftsweisend, dass die Grundlagen im Prinzip auch heute noch gelten - für immer neuere Nutzungen der Meere, für den Meeresumweltschutz, die maritime Wettervorhersage, die Klimaüberwachung oder die Instrumententechnik.

Bereits 1856 gründete Neumayer (21.6.1826 - 24.5.1909) nach ausgedehnten Forschungsreisen, die ihn nach Brasilien und Australien führten, in Melbourne das Flagstaff-Observatorium für Geophysik, Magnetismus und Nautik, das er bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland (1865) leitete. DWD-Präsident Wolfgang Kusch wird am 28. Mai auf einem Symposium der „Royal Society of Victoria“ in Melbourne einen Vortrag über das Wirken Neumayers halten.

Die Internationalität hat Neumayer, der überzeugt war, Forschung lasse sich erfolgreich nur in globaler Zusammenarbeit betreiben, nie aus den Augen verloren. So gehörte er zu den Initiatoren des 1. Internationalen Polarjahres 1882/83, das die internationale Erforschung der Polargebiete zum Ziel hatte. Auch die Antarktische Internationale Kooperation 1900-1905 wurde von ihm maßgeblich beeinflusst. So verwundert es denn nicht, dass die deutsche Antarktis-Forschungsstation nach Georg von Neumayer benannt wurde.

Gemeinsam erreichte Neumayer mit so herausragenden Wissen-schaftlern wie Wladimir Köppen oder Gerhard Schott, dass die Deutsche Seewarte schnell eine führende Stellung in der maritimen Verwaltung, der angewandten Meeresforschung und der Meteorologie einnahm. So wurde unter Neumayer auch der telegrafische Wetternachrichtendienst und der Sturmwarndienst an den deutschen Küsten organisiert.

In Deutschland gilt Neumayer als Begründer der „Flaschenposten“, mit deren Hilfe früher Meeresströmungen erforscht wurden. Das einfache Prinzip: Kapitänen deutscher Handelsschiffe gab man eine leere Flasche mit einem vorbereiteten Formular mit, die auf einer vorher bestimmten Längengradposition über Bord geworfen wurde. Die Finder dieser Flaschenposten wurden gebeten, die Zettel mit Fundort und Datum zu versehen und an die „Deutsche Seewarte“ in Hamburg zu schicken. Die späteren Auswertungen ermöglichten, den Weg der Flaschen nachzuvollziehen und Aufschluss über die Meeresströmungen zu erhalten.

Heute zählen die meereskundlichen Dienste und auch das Monitoring der Meeresumwelt zu den Arbeitsschwerpunkten des BSH, mit weiter zunehmender Bedeutung auch unter Klima-Aspekten. In der Instrumententechnik wurde Neumayers Prüfwesen für Kompasse, Sextanten und Chronometer beibehalten, wenngleich es dabei heutzutage um Satelliten- und Informationstechnik geht. Die technischen Prüflabore des BSH in Hamburg gehören zu den führenden in der Welt.

Auch die Meteorologie entwickelte sich. Das Seewetteramt, die Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes in Hamburg, beherbergt eine der größten maritimklimatologischen Datenbanken der Welt. Die auf der Grundlage der Ergebnisse von modernsten Großrechnern erstellten Seewetterberichte der Seemeteorologen und Schiffsroutenberatungen werden auf allen Meeren genutzt.

Einzigartige Exponate, die die maritime Spezialbibliothek des BSH aus ihren historischen Schätzen zusammengestellt hat, geben noch heute Zeugnis von der herausragenden Arbeit Neumayers. Gezeigt werden in der gemeinsamen Neumayer-Ausstellung von BSH und DWD unter anderem handschriftliche Aufzeichnungen Neumayers aus seiner Zeit in Australien, so sein Tagebuch, historische Flaschenpostbriefe, die damals zur Messung von Strömungen über Bord geworfen wurden, erste Segelanweisungen und Wetterkarten der Deutschen Seewarte aber auch Baupläne und Fotos des Seewartengebäudes auf dem Hamburger Stintfang.

Georg von Neumayer - Ausstellung
Eröffnung: 25. Mai 2009 um 11:00 Uhr
Geöffnet bis 18. Juni 2009
jeweils Dienstag und Donnerstag von 15:00 bis 16:00 Uhr
Deutscher Wetterdienst - Foyer -
Bernhard-Nocht-Str. 76
20359 Hamburg


www.bsh.de

www.dwd.de


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