DaimlerChrysler North Atlantic Challenge: Hansa oder Zukunft
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Die X 612 Hansa (Foto © Daniel Forster / DCNAC) |
Der Maxiracer von Klaus Murmann war erst eine Woche nach dem Hauptfeld gestartet und wird am Sonnabend erwartet.
Mäßige bis frische nordwestliche Winde auf der Nordsee begünstigten die
führenden Boote. Die „Tempest“ einer US-amerikanischen Crew unter
schwedischer Flagge wurde für den frühen Donnerstag Morgen im Ziel
erwartet. „Schlüsselfaktor wird die starke Tide sein“, erklärt Race
Officer Alan Green, „bis zum frühen Morgen läuft das Wasser noch mit.“
Die Strömung kann in der Elbmündung bis zu vier Knoten erreichen,
wodurch sich die Geschwindigkeit der Boote über Grund sich mit Ebbe und
Flut entsprechend um acht Knoten verändert. Als dritte Yacht nach
gesegelter Zeit lag die „Snow Lion“ von Larry Huntington, dem Commodore
des New York Yacht Clubs, Mittwoch Nachmittag noch rund 150 Seemeilen
vor der Elbmündung.
Wenig Glück mit Rasmus haben derzeit die beiden schnellen Racer „UCA“
und „Team 888“. Sie kämpfen auf der Westseite Großbritanniens mit
leichten nördlichen Winden und verloren auf die in der Gesamtwertung
führende „Zaraffa“ (USA) weiter an Boden. Diese war bereits am vorigen
Sonnabend eingelaufen und hatte nach berechneter Zeit schon 30 Stunden
Abstand zum zweitplatzierten Open 60 „Team 888“. Deren rechnerischer
Vorsprung auf die „UCA“ war auf gut zwölf Stunden geschmolzen, der
wiederum die „Zukunft IV“ bis auf sieben Stunden nahe kam.
Neues aus der Tropfsteinhöhle
Während vorne die Positionskämpfe in der Deutschen Bucht immer
spannender wurden, erreichte die Regattaleitung unter dem Motto „Neues
aus der Tropfsteinhöhle“ ein Bericht der Frankfurter „Tom’s Kahn“, die
noch mehr als 1000 Seemeilen vor sich hatte: „Auch die zweite
Starkwindperiode hat Tom’s Kahn gut überstanden. Wir sind weiter im
Rennen, und hier gibt keiner auf. Ausfälle gab es allerdings schon zur
Genüge: Diesel im Schiff, auf dem Co-Skip Hans ausrutschte und mit
starker Rippenprellung eine Zeit lang ausfiel. Der Vorschiffsmann zog
sich unter vollstem Einsatz beim Spibaum Manöver eine Platzwunde am Kopf
zu, die wir sofort klammern mussten. Unser ARD-Pressemann aus München,
liegt seit Newport immer mal wieder seekrank in die Koje. Der erste
Schiffstechniker, Holger Hermann aus Rostock, Held vieler innovativer
Schiffsreparaturen, hat sich bei dauerhaft feucht-kaltem Bordklima eine
schwere Angina zugezogen und liegt mit Antibiotika vollgepumpt zeitweise
flach.
Der Stromversorgung ging es ebenso und sie bleibt nach wie vor kritisch
– Wasser im Dieseltank. Bei jedem Neuanwerfen der Maschine müssen
Starter- und Verbraucherbatterien zusammengeklemmt werden. Tom hält
jedes Mal wieder die Luft an, ‚Ob sie es diesmal schafft? Wenn ich nicht
so ein gutes Techniker-Team an Bord hätte, wäre die Weiterfahrt bereits
nach dem ersten Sturm in Frage gestellt gewesen’. Ein noch immer
ungeklärter Wassereinbruch gibt uns Rätsel auf. Selbst die
Frischwasserpumpe muss umgebaut zum Lenzen herhalten. 100 Liter Wasser
pumpen wir 3x täglich aus der Bilge. An Bord, alles nass und salzig, wir
leben in einer Tropfsteinhöhle, wie wahrscheinlich viele andere
Mannschaften auch. Selbst die Schwimmwesten haben sich im Vorschiff
selbständig gemacht und sorgen nun für mehr Auftrieb. Heute musste das
Groß runter. Alle Latten waren gebrochen. Also: Ersatzlatten sägen und
einsetzen, Bruchstellen nähen und wieder hoch damit. Weiter geht’s.
Ansonsten geht es uns gut... hier gibt niemand auf. Wir sehen uns in
Hamburg! Eure Crew Tom, Hans, Regina, Dirk, Holger und Matthias“.
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