DaimlerChrysler North Atlantic Challenge: Hansa oder Zukunft

03. Juli 2003 - DCNAC/ „Hansa“ 12 sm vor der „Zukunft IV“ / Bericht von Toms Kahn/ „Hansa“ oder „Zukunft IV“ – wer erntet die Lorbeeren für das erste deutsche Schiff im Ziel der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge 2003? Am Donnerstag Nachmittag sollte die Entscheidung gefallen sein, wenn die Boote an der Seebäderbrücke in Cuxhaven erwartet werden, wo die Ziellinie der Transatlantikregatta von Newport/USA nach Hamburg ausgelegt ist. 24 Stunden zuvor hatte die größere „Hansa“ von der Hanseatischen Yachtschule Glücksburg zwölf Seemeilen Vorsprung vor der „Kuh“ von Kieler Yacht-Club. In der Gesamtwertung nach IRC-Handicap hatte die günstiger vermessene „Zukunft IV“ indes den Bug vorn und lag hinter der Klubkameradin „UCA“ auf Platz vier.

Die X 612 Hansa (Foto © Daniel Forster / DCNAC)

Der Maxiracer von Klaus Murmann war erst eine Woche nach dem Hauptfeld gestartet und wird am Sonnabend erwartet.

Mäßige bis frische nordwestliche Winde auf der Nordsee begünstigten die

führenden Boote. Die „Tempest“ einer US-amerikanischen Crew unter

schwedischer Flagge wurde für den frühen Donnerstag Morgen im Ziel

erwartet. „Schlüsselfaktor wird die starke Tide sein“, erklärt Race

Officer Alan Green, „bis zum frühen Morgen läuft das Wasser noch mit.“

Die Strömung kann in der Elbmündung bis zu vier Knoten erreichen,

wodurch sich die Geschwindigkeit der Boote über Grund sich mit Ebbe und

Flut entsprechend um acht Knoten verändert. Als dritte Yacht nach

gesegelter Zeit lag die „Snow Lion“ von Larry Huntington, dem Commodore

des New York Yacht Clubs, Mittwoch Nachmittag noch rund 150 Seemeilen

vor der Elbmündung.

Wenig Glück mit Rasmus haben derzeit die beiden schnellen Racer „UCA“

und „Team 888“. Sie kämpfen auf der Westseite Großbritanniens mit

leichten nördlichen Winden und verloren auf die in der Gesamtwertung

führende „Zaraffa“ (USA) weiter an Boden. Diese war bereits am vorigen

Sonnabend eingelaufen und hatte nach berechneter Zeit schon 30 Stunden

Abstand zum zweitplatzierten Open 60 „Team 888“. Deren rechnerischer

Vorsprung auf die „UCA“ war auf gut zwölf Stunden geschmolzen, der

wiederum die „Zukunft IV“ bis auf sieben Stunden nahe kam.

 

Neues aus der Tropfsteinhöhle

Während vorne die Positionskämpfe in der Deutschen Bucht immer

spannender wurden, erreichte die Regattaleitung unter dem Motto „Neues

aus der Tropfsteinhöhle“ ein Bericht der Frankfurter „Tom’s Kahn“, die

noch mehr als 1000 Seemeilen vor sich hatte: „Auch die zweite

Starkwindperiode hat Tom’s Kahn gut überstanden. Wir sind weiter im

Rennen, und hier gibt keiner auf. Ausfälle gab es allerdings schon zur

Genüge: Diesel im Schiff, auf dem Co-Skip Hans ausrutschte und mit

starker Rippenprellung eine Zeit lang ausfiel. Der Vorschiffsmann zog

sich unter vollstem Einsatz beim Spibaum Manöver eine Platzwunde am Kopf

zu, die wir sofort klammern mussten. Unser ARD-Pressemann aus München,

liegt seit Newport immer mal wieder seekrank in die Koje. Der erste

Schiffstechniker, Holger Hermann aus Rostock, Held vieler innovativer

Schiffsreparaturen, hat sich bei dauerhaft feucht-kaltem Bordklima eine

schwere Angina zugezogen und liegt mit Antibiotika vollgepumpt zeitweise

flach.

Der Stromversorgung ging es ebenso und sie bleibt nach wie vor kritisch

– Wasser im Dieseltank. Bei jedem Neuanwerfen der Maschine müssen

Starter- und Verbraucherbatterien zusammengeklemmt werden. Tom hält

jedes Mal wieder die Luft an, ‚Ob sie es diesmal schafft? Wenn ich nicht

so ein gutes Techniker-Team an Bord hätte, wäre die Weiterfahrt bereits

nach dem ersten Sturm in Frage gestellt gewesen’. Ein noch immer

ungeklärter Wassereinbruch gibt uns Rätsel auf. Selbst die

Frischwasserpumpe muss umgebaut zum Lenzen herhalten. 100 Liter Wasser

pumpen wir 3x täglich aus der Bilge. An Bord, alles nass und salzig, wir

leben in einer Tropfsteinhöhle, wie wahrscheinlich viele andere

Mannschaften auch. Selbst die Schwimmwesten haben sich im Vorschiff

selbständig gemacht und sorgen nun für mehr Auftrieb. Heute musste das

Groß runter. Alle Latten waren gebrochen. Also: Ersatzlatten sägen und

einsetzen, Bruchstellen nähen und wieder hoch damit. Weiter geht’s.

Ansonsten geht es uns gut... hier gibt niemand auf. Wir sehen uns in

Hamburg! Eure Crew Tom, Hans, Regina, Dirk, Holger und Matthias“.

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DaimlerChrysler North Atlantik Challenge

Die website des DCNAC:

 

www.dcnac.de

 

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