Route du Rhum: Fatale Entwicklung21. November 2002 - Gestern kenterte in einer Bö der bis dahin führende Trimaran TechnoMarine des Schweizer Skippers Steve Ravussin. Er ist wohlauf und wartet im Schiff auf die Rettungsmannschaft seines Teams, das wahrscheinlich übermorgen eintreffen wird. Damit sind bei dem Transatlantik-Klassiker Route du Rhum von 18 nur noch drei der 18-Meter-Renntrimarane unterwegs. In Frankreich wird bereits laut die Überlegung geäußert, ob mit den rasenden Dreibeinen überhaupt Einhand-Ozean-Rennen und Ozean-Überquerungen überhaupt zugelassen werden sollen.

So wie hier Groupama am 12. November schwimmt jetzt der Tri TechnoMarine von Steve Ravussin (Foto © Gilles Martin-Raget/ promovoile)

Kenterung

Ravussin war im Boot, als ihn 734 Meilen vor dem Ziel Guadeloupe eine Bö traf und den Tri anhob. Ravussin: "Ich hatte weniger als 15 Knoten Wind, segelte unter Gennaker und einem Reff, als ich für eine Pause unter Deck ging. Ich wachte auf, als das Boot beschleunigte. Ich hatte die Gennaker-Schot in die Kajüte umgleitet und löste sie sofort, aber es war zu spät." Der Leeschwimmer, der vor einigen Tagen sein Steckschwert verloren hatte, dass ihn vor dem Unterschneiden bewahren soll, krachte in eine Welle, "Das Boot kenterte Stern über Bug." Er war gerade im Ausgang zum Deck, wurde durch die Sprayhutze aufgefangen. Er setzte sein Iridium-Satelliten Telefon in Gang – nicht aber seine Epirb-Notfunkboje !

 

Die bei den Einrumpfbooten führende Ellen MacArthur auf Kingfisher und Mike Golding auf Ecover segelten nur wenige Meilen entfernt an dem gekenterten Tri vorbei ! Aber da er seine Epirb-Boje nicht aktiviert hatte, wussten sie zunächst nichts von seinem Unglück! Inzwischen hat die Rennleitung n Frankreich entschieden, das Ravussin von ihnen nicht geholfen werden muss.

 

Nur noch ankommen!

15 der 60-Fuß-Tris sind damit wegen Kenterung, Mastbruch oder anderer Schäden aus dem Rennen! Lalou Roucayrol auf dem Tri Banque Populaire (Zweiter Tri) hat mit Marc Guillemot on Biscuits La Trinitaine (Dritter Tri ) telefoniert: Das Wichtigste sei jetzt, das alle drei (mit dem führenden Michel Desjoyeaux auf Géant) in Guadeloupe ankämen – egal in welcher Position! Roucayrol sitzt rund 15 Stunden am Tag an der Pinne, um sich so selten wie möglich auf den Autopiloten verlassen zu müssen!

 

Der Trimaran Fujifilm, der auf Portugal zutreibt, musste inzwischen bei aufziehendem hartem Wetter aufgegeben werden. Er wird auf die Küste Portugals zutreiben und dort zerschellen - goodby, alle sind sehr traurig, die harte Arbeit von Jahren und Millionen Euro sind weg ....

 

 

Haben diese Tris noch Zukunft?

Die französische Segelsite "sail-online.fr" führte ein Interview mit Laurent Bougnon, der die Route du Rhum 1994 und 1998 gewann. Bougnon: Man muss über die Zukunft der Tris nachdenken! Sie seien vielleicht doch eher geeignet, spannende Dreieckskurse vor der Küste oder küstennahe Regatten zu segeln, als Transatlantik-Regatten. Zudem stellt Bougnon das Einhand-Segeln auf den schnellen Tris in Frage. Haupt-Schwierigkeit ist schließlich, dass in harten Böen der Skipper die Schot loswerfen muss, um ein Kentern zu verhindern - was er im Schlaf nicht kann.

 

Kingfisher führt zurzeit mehr als 60 Meilen vor Mike Golding auf Ecover, der Schwierigkeiten mit seinem Spi hat, obwohl er bereits zweimal (!) im Mast war – die Monos werden etwa Samstagmittag in Guadeloupe erwartet! Bei den 50-Fuß-Monos führt Nick Moloney auf Ashfield Healthcare, der für OffshoreChallenges segelt, dem Team von Ellen MacArthur und Mark Turner. Seglermagazin.de wird morgen, kurz vor dem Zieldurchgang der Ersten, eine komplette Positionsliste bringen.

 

Lesen Sie dazu auch:

Route der Härte!

75 Knoten – Tris in Not!

Route du Rhum: Bruch, Bruch, Bruch

Drama am ersten Tag

Die Route du Rhum

Transatlantik, dem Rum hinterher mit der Vorstellung der prominentesten Teilnehmer

Liste aller Teilnehmer

Die website der Route du Rhum:

www.routedurhum.org in Französisch und Englisch.

 

Fakten der Route du Rhum

Läuft seit 1978 ( Teilnehmer damals unter anderem Mike Birch, der jetzt wieder dabei ist mit 71 Jahren !) alle vier Jahre. Sie geht über 3540 Seemeilen von St. Malo in Nordfrankreich nach Pointe a Pitre auf Guadeloupe (Karibik) und dauert zwischen 16 und 18 Tagen (die schnellen Tris sind in rund 13 Tagen dort). 2002 sind 59 Konkurrenten dabei, allein 17 berühmte Namen in der Open60-Klasse. Den Rekord bei den Einrumpfyachten hält seit 1994 (!) Yves Parlier auf Cacolac d'Aquitaine mit 15 Tagen 19 Std. und 23 Minuten.

 

 


Anzeige

 Seite drucken  |   Seite versenden