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Szenen eines Rennens: Die schwedische "Assa Abloy" , zweite im VOR 2002 (Foto © Thierry Martinez/ Voövooceanrace.org) |
"Das Volvo Ocean Race ist der Weltcup des Segelsports. Wäre es nicht
großartig, ihn 2006 im selben Land zu entscheiden, in dem dann auch die
Fußballweltmeisterschaft stattfindet?", sagt der neue VOR-Chef Glenn
Bourke. "Beim vorigen Rennen hat Deutschland uns ein wundervolles Finale
bereitet, als mehr als 500.000 Menschen nach Kiel kamen, um die Segler
zu begrüßen," so Bourke weiter, "das wünschen wir uns fürs nächste
Rennen wieder so." Das Volvo Ocean Race 2001-2002 hatte die Leverkusener
Yacht "illbruck" unter Skipper John Kostecki (USA) als erste deutsche
Teilnehmerin überhaupt mit einem grandiosen Zieleinlauf am 9. Juni in
die Kieler Förde gewonnen.
Noch steht der endgültige Kurs, der wieder der traditionellen
Klipperroute mit dem Westwindgürtel über rund 32.000 Seemeilen um die
Welt folgt, nicht fest, doch sicher ist ein Start im Mittelmeer statt in
Southampton/England, das auf der Rücktour Ziel der Transatlantiketappe
statt La Rochelle/Frankreich wird. Von daher könnte diesmal der
Starthafen in Frankreich liegen, doch noch sind eine ganze Reihe von
klassischen Hafenmetropolen zwischen Barcelona/Spanien und Genua/Italien
im Gespräch.
Auch soll der Start erst Anfang November erfolgen, um später im
Südpolarmeer die optimalen Bedingungen anzutreffen. Dadurch wird die
Gesamtdauer der Regatta auf unter acht Monate verkürzt. "Das ist auch
ein Beitrag zur generellen Kostenreduzierung", erklärt Glenn Bourke, der
die Teilnahme für Syndikate und deren Sponsoren erschwinglicher machen
will.
Die erste Etappe führt wieder über den Atlantik nach Kapstadt in
Südafrika. Es bleibt auch bei der obligatorischen Bahnmarke Fernando de
Noronha, einer Insel vor der Nordost-Ecke Brasiliens. Allerdings erfolgt
hier nun eine erste Zwischenwertung, bei der die Yachten quasi wie bei
einer Bergwertung im Radsport erste, halbe Punkte sammeln. Der Erste
eines Zwölferfelds bekäme dort sechs Punkte, der Zweite 5,5 und so
weiter. Im Ziel gibt es die volle Punktezahl (z.B. 12, 11, usw.); ein
Streichresultat der schlechtesten Platzierung ist nicht geplant.
Um die Spannung während der sechs Etappenstopps zu erhalten, sind dort
jeweils Kurzwettfahrten mit halber Punktzahl geplant, bei denen
entsprechend 20 Prozent der Gesamtpunktzahl vergeben werden. Die
küstennahen Regatten sollen für zusätzliche Spannung sorgen, in dem sie
das Publikum zum ersten Mal die spektakulären Rennboote mit ihren
Weltklasseteams hautnah in Aktion erleben lassen. So werden die
Zuschauer noch viel enger eingebunden als bisher.
Die zweite Etappe wird wieder durch das Südpolarmeer (Southern Ocean)
führen, wo schwere Stürme und eisige Kälte die härtesten Bedingungen,
aber auch die außergewöhnlichsten Bilder der Regatta bringen. Nach
Zwischenwertungen bei den Kerguelen Inseln und Eclipse Island, der Insel
unter der Südwest-Ecke Australiens, ist das Ziel noch nicht bestimmt.
"Das klären wir nach dem Ausgang des America's Cups in Auckland", so der
VOR-Chef. Es soll allerdings nur einen Etappenhafen in Ozeanien geben,
wahrscheinlich mit einem zusätzlichen Kurz-Stopp auf der dritten Etappe,
der ebenfalls als Zwischenwertung mit halber Punktzahl zählt. Ein
solcher Pit Stop war 2001 erstmals beim Sydney Hobart Race eingelegt
worden und hatte sich bewährt.
Von Australasien geht es mit Zwischenwertung rund um das Kap Hoorn
wieder nach Rio de Janeiro/Brasilien. Von dort ist Fernando de Noronha
erneut gewertete Bahnmarke, doch die Route führt an Florida vorbei
direkt nach Baltimore im US-Bundesstaat Maryland. Nach dem Re-Start in
Annapolis nahe Baltimore ist der zweite Kurz-Stopp der Regatta in New
York geplant. Von dort gehen die Yachten auf die Rekordstrecke von 1905,
als der 56-Meter-Schoner "Atlantic" im Great Ocean Race von Sandy Hook
bei New York nach Lizard am Südwest-Zipfel Englands den Atlantik in 12
Tagen, 4 Stunden, einer Minute und 19 Sekunden überquerte. Der Rekord
hat bis heute offiziell Bestand.
Vom Etappenziel in Southampton, wo die Teilnehmer sich im
strömungsreichen Solent messen müssen, geht der Kurs nach Norden
Richtung Göteborg, dem Sitz der Konzernzentrale von Volvo, bevor das
große Finale in der Ostsee ansteht. Dazu der Münchner Tony Kolb, damals
Vorschiffsmann an Bord der siegreichen "illbruck": "Dieses phänomenale
Bild der vielen tausend jubelnden Fans auf den Schären in Schweden und
am Ufer der Kieler Förde werde ich niemals vergessen. Dieses Finish war
nicht zu überbieten."
Die Yachten
Das Volvo Ocean Race 2005-2006 wird auf nagelneuen
70-Fuß-Einrumpf-Rennmaschinen gesegelt werden. Das offene Design erlaubt
einen Schwenkkiel, wahlweise ein oder zwei zusätzliche Schwerter und ein
oder zwei Ruder. Das neue Boot dürfte dadurch äußerst schnell und
aufregend zu segeln sein. Die Regelvorschrift ist relativ offen und
damit eine Herausforderung für die Designer.
Der neue Volvo Ocean 70 (V.O.70) wird einfacher zu bedienen sein,
weniger Segel mitführen und bessere Bedingungen für die Crew bieten.
"Bei vorigen Rennen haben wir oft anderthalb Tonnen Ausrüstung, vor
allem Segelsäcke, mehrmals in der Nacht von einer auf die andere Seite
wuchten müssen", berichtet Tony Kolb, "- und das als Freiwache." Das
wird sich nun ändern. Durch die neuen Regeln des Rennens sollen vor
allem nicht das dickste Portemonnaie, sondern Ideen, Kreativität und
seglerisches Können die größten Vorteile bringen. Glenn Bourke bringt
die Herausforderung auf den Punkt: "Es geht darum, das allerbeste
Allround-Hochseeteam der Welt zu finden."
Die Boote werden baugleiche Elemente aufweisen: den Schwenkkiel und die
Kielbombe sowie einen standardisierten Kohlefasermast. Außerdem wird die
Zahl der Segel von vorher insgesamt 38 auf nur noch 20 deutlich
reduziert. Rund neun Segel sollen pro Etappe mitgeführt werden dürfen.
Der Hintergrund: Die Organisatoren wollen die Kosten in allen Bereichen
begrenzen, bei denen in der Vergangenheit große Ausgaben nur minimale
Unterschiede verursacht haben.
Im Hinblick auf den Stellenwert einer anspruchsvollen
Medienberichterstattung werden die neuen Rennboote mit einem speziellen
Mediencenter an Bord ausgestattet sein, das von den
Navigationsinstrumenten komplett abgekoppelt ist. Modernste Minikameras
werden noch spektakulärere Bilder von jedem Boot verfügbar machen.
Besonders die An-Bord-Bilder waren es, die das vergangene Rennen so
spannend und hautnah erlebbar gemacht hatten.
Die Crewgröße wird insgesamt reduziert, wodurch weitere Kosten gespart
werden. Zudem fördert sie durch ihre Differenzierung die Teilnahme von
Frauen. Ein rein männliches Team darf bis zu neun, ein gemischtes mit
mindestens fünf Frauen bis zu zehn und eine reine Frauenmannschaft sogar
bis zu elf Crewmitglieder umfassen.
Kurzregatten
Bei den Hafenregatten ist ein weiteres Crewmitglied erlaubt. Das könnte
zum Beispiel der Teammanager, ein bekannter Segler, ein Spezialist für
Kurzwettfahrten oder ein ortskundiger Experte sein. Zusätzlich können
drei weitere, nichtteilnehmende Gäste pro Boot mitsegeln, darunter der
Inhaber oder ein Vertreter des Syndikats, ein Medienvertreter und ein
Repräsentant von Volvo.
Die Kurzregatten in den oder nahe der jeweiligen Häfen werden nicht nur
dem Publikum einen besseren Zugang zu der Veranstaltung verschaffen,
sondern auch die Möglichkeiten der Berichterstattung nochmals deutlich
verbessern - ein großer Nutzen für Syndikate und Sponsoren. Zudem
erfordern die Kurzregatten auf engstem Raum von den Crews eine größere
Vielfalt seglerischer Fähigkeiten als nur auf den langen
Hochsee-Etappen.
Während des Rennens darf es von Land aus keine spezielle Unterstützung
durch Meteorologen geben. Ziel des Volvo Ocean Race ist es, die
Fähigkeiten der Segler herauszufordern und nicht die der Shore-Teams.
Von der bestens ausgestatteten Regattaleitung in der Zentrale in England
wird die Flotte täglich und in regelmäßigen Abständen einen Wetterdienst
erhalten.
"Dieses neue Volvo Ocean Race wird in Seglerkreisen weltweit auf großes
Interesse stoßen. Jetzt müssen wir, die schon mal dabei waren, und
andere, die mitmachen wollen, losgehen und das nötige Geld beschaffen.
Wir haben nun das richtige Werkzeug und die richtige Veranstaltung, um
Sponsoren zu finden, und an den Start gehen zu können", begrüßt Grant
Dalton, Volvo Ocean Race-Veteran und früherer Gewinner, die neuen Pläne.
Volvo als Veranstaltungsinhaber und Sponsor hat sich der grundsätzlichen
Förderung des Segelsports verschrieben, die nicht nur die Ausrichtung
und Weiterentwicklung des Volvo Ocean Race umfasst, sondern auch ein
dynamisches Volvo Jugendsegelprogramm. Sein Engagement im
internationalen Segelsport unterstreicht Volvo nicht zuletzt mit der
Ankündigung eines neuen Hochseerennens für 2007: Das Volvo Pacific Ocean
Race wird mit den neuen Volvo 70ern gesegelt werden und in asiatische
Häfen unter anderem in China und Japan führen, und von dort über den
Pazifik nach San Francisco und San Diego in den USA.


