Volvo Ocean Race 200510. Februar 2003 - Auckland/Kiel - Das nächste Volvo Ocean Race wird in den Jahren 2005 und 2006 auf größeren, noch schnelleren Einrumpf-Booten mit 70 Fuß Länge (21,34 Meter) und einer geänderten Route mit weniger Etappenhäfen rund um den Globus führen. Auch der Wertungsmodus ist neu: Punkte gibt es künftig nicht nur an den Etappenzielen, sondern auch auf Zwischenstationen und bei Kurzwettfahrten während der Hafenaufenthalte. Damit soll die härteste Hochseesegelregatta der Welt sowohl für die Fans als auch für die Teilnehmer noch attraktiver und spannender werden. Das gab Volvo als Regattaveranstalter heute in Auckland und parallel auch in Kiel bekannt.

Szenen eines Rennens: Die schwedische "Assa Abloy" , zweite im VOR 2002 (Foto © Thierry Martinez/ Voövooceanrace.org)

"Das Volvo Ocean Race ist der Weltcup des Segelsports. Wäre es nicht

großartig, ihn 2006 im selben Land zu entscheiden, in dem dann auch die

Fußballweltmeisterschaft stattfindet?", sagt der neue VOR-Chef Glenn

Bourke. "Beim vorigen Rennen hat Deutschland uns ein wundervolles Finale

bereitet, als mehr als 500.000 Menschen nach Kiel kamen, um die Segler

zu begrüßen," so Bourke weiter, "das wünschen wir uns fürs nächste

Rennen wieder so." Das Volvo Ocean Race 2001-2002 hatte die Leverkusener

Yacht "illbruck" unter Skipper John Kostecki (USA) als erste deutsche

Teilnehmerin überhaupt mit einem grandiosen Zieleinlauf am 9. Juni in

die Kieler Förde gewonnen.

 

Noch steht der endgültige Kurs, der wieder der traditionellen

Klipperroute mit dem Westwindgürtel über rund 32.000 Seemeilen um die

Welt folgt, nicht fest, doch sicher ist ein Start im Mittelmeer statt in

Southampton/England, das auf der Rücktour Ziel der Transatlantiketappe

statt La Rochelle/Frankreich wird. Von daher könnte diesmal der

Starthafen in Frankreich liegen, doch noch sind eine ganze Reihe von

klassischen Hafenmetropolen zwischen Barcelona/Spanien und Genua/Italien

im Gespräch.

 

Auch soll der Start erst Anfang November erfolgen, um später im

Südpolarmeer die optimalen Bedingungen anzutreffen. Dadurch wird die

Gesamtdauer der Regatta auf unter acht Monate verkürzt. "Das ist auch

ein Beitrag zur generellen Kostenreduzierung", erklärt Glenn Bourke, der

die Teilnahme für Syndikate und deren Sponsoren erschwinglicher machen

will.

 

Die erste Etappe führt wieder über den Atlantik nach Kapstadt in

Südafrika. Es bleibt auch bei der obligatorischen Bahnmarke Fernando de

Noronha, einer Insel vor der Nordost-Ecke Brasiliens. Allerdings erfolgt

hier nun eine erste Zwischenwertung, bei der die Yachten quasi wie bei

einer Bergwertung im Radsport erste, halbe Punkte sammeln. Der Erste

eines Zwölferfelds bekäme dort sechs Punkte, der Zweite 5,5 und so

weiter. Im Ziel gibt es die volle Punktezahl (z.B. 12, 11, usw.); ein

Streichresultat der schlechtesten Platzierung ist nicht geplant.

Um die Spannung während der sechs Etappenstopps zu erhalten, sind dort

jeweils Kurzwettfahrten mit halber Punktzahl geplant, bei denen

entsprechend 20 Prozent der Gesamtpunktzahl vergeben werden. Die

küstennahen Regatten sollen für zusätzliche Spannung sorgen, in dem sie

das Publikum zum ersten Mal die spektakulären Rennboote mit ihren

Weltklasseteams hautnah in Aktion erleben lassen. So werden die

Zuschauer noch viel enger eingebunden als bisher.

 

Die zweite Etappe wird wieder durch das Südpolarmeer (Southern Ocean)

führen, wo schwere Stürme und eisige Kälte die härtesten Bedingungen,

aber auch die außergewöhnlichsten Bilder der Regatta bringen. Nach

Zwischenwertungen bei den Kerguelen Inseln und Eclipse Island, der Insel

unter der Südwest-Ecke Australiens, ist das Ziel noch nicht bestimmt.

"Das klären wir nach dem Ausgang des America's Cups in Auckland", so der

VOR-Chef. Es soll allerdings nur einen Etappenhafen in Ozeanien geben,

wahrscheinlich mit einem zusätzlichen Kurz-Stopp auf der dritten Etappe,

der ebenfalls als Zwischenwertung mit halber Punktzahl zählt. Ein

solcher Pit Stop war 2001 erstmals beim Sydney Hobart Race eingelegt

worden und hatte sich bewährt.

Von Australasien geht es mit Zwischenwertung rund um das Kap Hoorn

wieder nach Rio de Janeiro/Brasilien. Von dort ist Fernando de Noronha

erneut gewertete Bahnmarke, doch die Route führt an Florida vorbei

direkt nach Baltimore im US-Bundesstaat Maryland. Nach dem Re-Start in

Annapolis nahe Baltimore ist der zweite Kurz-Stopp der Regatta in New

York geplant. Von dort gehen die Yachten auf die Rekordstrecke von 1905,

als der 56-Meter-Schoner "Atlantic" im Great Ocean Race von Sandy Hook

bei New York nach Lizard am Südwest-Zipfel Englands den Atlantik in 12

Tagen, 4 Stunden, einer Minute und 19 Sekunden überquerte. Der Rekord

hat bis heute offiziell Bestand.

Vom Etappenziel in Southampton, wo die Teilnehmer sich im

strömungsreichen Solent messen müssen, geht der Kurs nach Norden

Richtung Göteborg, dem Sitz der Konzernzentrale von Volvo, bevor das

große Finale in der Ostsee ansteht. Dazu der Münchner Tony Kolb, damals

Vorschiffsmann an Bord der siegreichen "illbruck": "Dieses phänomenale

Bild der vielen tausend jubelnden Fans auf den Schären in Schweden und

am Ufer der Kieler Förde werde ich niemals vergessen. Dieses Finish war

nicht zu überbieten."

Die Yachten

Das Volvo Ocean Race 2005-2006 wird auf nagelneuen

70-Fuß-Einrumpf-Rennmaschinen gesegelt werden. Das offene Design erlaubt

einen Schwenkkiel, wahlweise ein oder zwei zusätzliche Schwerter und ein

oder zwei Ruder. Das neue Boot dürfte dadurch äußerst schnell und

aufregend zu segeln sein. Die Regelvorschrift ist relativ offen und

damit eine Herausforderung für die Designer.

Der neue Volvo Ocean 70 (V.O.70) wird einfacher zu bedienen sein,

weniger Segel mitführen und bessere Bedingungen für die Crew bieten.

"Bei vorigen Rennen haben wir oft anderthalb Tonnen Ausrüstung, vor

allem Segelsäcke, mehrmals in der Nacht von einer auf die andere Seite

wuchten müssen", berichtet Tony Kolb, "- und das als Freiwache." Das

wird sich nun ändern. Durch die neuen Regeln des Rennens sollen vor

allem nicht das dickste Portemonnaie, sondern Ideen, Kreativität und

seglerisches Können die größten Vorteile bringen. Glenn Bourke bringt

die Herausforderung auf den Punkt: "Es geht darum, das allerbeste

Allround-Hochseeteam der Welt zu finden."

Die Boote werden baugleiche Elemente aufweisen: den Schwenkkiel und die

Kielbombe sowie einen standardisierten Kohlefasermast. Außerdem wird die

Zahl der Segel von vorher insgesamt 38 auf nur noch 20 deutlich

reduziert. Rund neun Segel sollen pro Etappe mitgeführt werden dürfen.

Der Hintergrund: Die Organisatoren wollen die Kosten in allen Bereichen

begrenzen, bei denen in der Vergangenheit große Ausgaben nur minimale

Unterschiede verursacht haben.

Im Hinblick auf den Stellenwert einer anspruchsvollen

Medienberichterstattung werden die neuen Rennboote mit einem speziellen

Mediencenter an Bord ausgestattet sein, das von den

Navigationsinstrumenten komplett abgekoppelt ist. Modernste Minikameras

werden noch spektakulärere Bilder von jedem Boot verfügbar machen.

Besonders die An-Bord-Bilder waren es, die das vergangene Rennen so

spannend und hautnah erlebbar gemacht hatten.

Die Crewgröße wird insgesamt reduziert, wodurch weitere Kosten gespart

werden. Zudem fördert sie durch ihre Differenzierung die Teilnahme von

Frauen. Ein rein männliches Team darf bis zu neun, ein gemischtes mit

mindestens fünf Frauen bis zu zehn und eine reine Frauenmannschaft sogar

bis zu elf Crewmitglieder umfassen.

Kurzregatten

Bei den Hafenregatten ist ein weiteres Crewmitglied erlaubt. Das könnte

zum Beispiel der Teammanager, ein bekannter Segler, ein Spezialist für

Kurzwettfahrten oder ein ortskundiger Experte sein. Zusätzlich können

drei weitere, nichtteilnehmende Gäste pro Boot mitsegeln, darunter der

Inhaber oder ein Vertreter des Syndikats, ein Medienvertreter und ein

Repräsentant von Volvo.

Die Kurzregatten in den oder nahe der jeweiligen Häfen werden nicht nur

dem Publikum einen besseren Zugang zu der Veranstaltung verschaffen,

sondern auch die Möglichkeiten der Berichterstattung nochmals deutlich

verbessern - ein großer Nutzen für Syndikate und Sponsoren. Zudem

erfordern die Kurzregatten auf engstem Raum von den Crews eine größere

Vielfalt seglerischer Fähigkeiten als nur auf den langen

Hochsee-Etappen.

Während des Rennens darf es von Land aus keine spezielle Unterstützung

durch Meteorologen geben. Ziel des Volvo Ocean Race ist es, die

Fähigkeiten der Segler herauszufordern und nicht die der Shore-Teams.

Von der bestens ausgestatteten Regattaleitung in der Zentrale in England

wird die Flotte täglich und in regelmäßigen Abständen einen Wetterdienst

erhalten.

"Dieses neue Volvo Ocean Race wird in Seglerkreisen weltweit auf großes

Interesse stoßen. Jetzt müssen wir, die schon mal dabei waren, und

andere, die mitmachen wollen, losgehen und das nötige Geld beschaffen.

Wir haben nun das richtige Werkzeug und die richtige Veranstaltung, um

Sponsoren zu finden, und an den Start gehen zu können", begrüßt Grant

Dalton, Volvo Ocean Race-Veteran und früherer Gewinner, die neuen Pläne.

Volvo als Veranstaltungsinhaber und Sponsor hat sich der grundsätzlichen

Förderung des Segelsports verschrieben, die nicht nur die Ausrichtung

und Weiterentwicklung des Volvo Ocean Race umfasst, sondern auch ein

dynamisches Volvo Jugendsegelprogramm. Sein Engagement im

internationalen Segelsport unterstreicht Volvo nicht zuletzt mit der

Ankündigung eines neuen Hochseerennens für 2007: Das Volvo Pacific Ocean

Race wird mit den neuen Volvo 70ern gesegelt werden und in asiatische

Häfen unter anderem in China und Japan führen, und von dort über den

Pazifik nach San Francisco und San Diego in den USA.

 

 


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